| 29.02.2004
Das Hamburger Grünspan platzt am 29.02.2004 aus allen Nähten. Viele Nachwuchsrocker drängen sich in die ersten Reihen vor die Bühne, um ihren neuen Idolen von JET möglichst Nahe zu kommen. Bei Titeln wie "Rollover D.J." kennen sie kein Halten mehr. Beim Hit "Are You Gonna Be My Girl" muss man aus sicherer Entfernung gar Angst haben um die vornehmlich jungen Fans, die um ihr Leben springen. Schließlich war es auch dieser Titel, der die Australier in Deutschland erst so richtig bekannt machte. Von einem Hype will Cam Muncey, Gitarrist der Combo im Gespräch vor dem Konzert, nichts wissen: "Hype, das stammt von der englischen Presse. Wir sind nur eine neue Band", sagt er bescheiden.
Bis auf den Bassisten Mark Wilson, der auf einer Couch neben Muncey Platz genommen hat und als letztes zur Band dazugestoßen ist, haben alle an den Titeln des Erstwerkes "Get Born" mitgeschrieben und auch Songs gesungen. Während des Gesprächs kommt der Schlagzeuger Chris Cester, Bruder vom vermeintlichen Leadsänger Nic Cester, in den Raum. Auf die Frage, wie es denn um einen neuen Rock-Boom bestellt sei, antwortet er sogleich energisch: "Das Rock-Ding ist bereits tot. Bands wie Mando Diao bekommen keinen Plattenvertrag in England. Einige Bands schaffen es, wie wir, die Strokes oder Kings of Leon. Doch die Plattenfirmen rennen weg und machen sich in die Hose."
Das es JET an Vertrauen von Seiten der eigenen Plattenfirma nicht gemangelt hat, zeigt die Tatsache, dass Billy Preston, in den späten sechziger Jahren quasi fünftes Bandmitglied der Beatles, auf der Platte bei zwei Nummern das Keyboard bearbeitet. "Es war großartig, ihn im Studio zu haben, er ist eine Legende", sagt Mark Wilson respektvoll. Nach dem eher anstrengenden Gespräch mit offenkundig müden Musikern ("jeden Tag Interviews, wir hatten heute noch nicht einmal Zeit für eine Dusche, das kotzt mich an", so Wilson) verabschiedet mich Muncey mit den einer Rockband würdigen Worten: "Wir hatten nur wenig Schlaf und eine lange Nacht, verwende dieses Interview nicht gegen uns."
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