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RON SEXSMITH

19.09.2004

Er trägt modisch gewagte Hemden und eine Zauselfrisur. Und seine erste Band hieß "The Uncool". Was soll man von so einem erwarten? "Das ist lange her. Wir fühlten uns nicht hip und cool, wir wussten nicht so recht, wie wir uns kleiden sollten, unsere Musik schien nicht trendy zu sein. Es waren die achtziger, und wir spielten Rock'n'Roll", erinnert sich der Singer/Songwriter Ron Sexsmith. Im Backstage Bereich des Hamburger Knust sitzt der Kanadier auf einer alten Couch und ist dabei keiner, der sich Antworten lange zurecht legt oder zur Kurzsilbrigkeit neigt. Wie auch, bei dem bewegten Musikerleben. Begeistert spricht er von seinen "Helden", die er im Laufe der Zeit getroffen hat, die Liste ist lang: Elton John (den er schon in jungen Jahren sehr schätze), Ray Davis von den Kinks, Joni Mitchell, Randy Newman oder Paul McCartney: "Im Jahre `96 trafen wir uns bei ihm zu Hause zum Frühstück. Anschließend spielten wir Musik", erzählt er mit einem leicht verkappten freudigen Gesichtsausdruck.

Auf seiner im Jahre 2004 erschienen CD "Retriever" arbeitete der 1964 geborene Musiker mit Ed Harcourt zusammen. "Wir kennen uns seit einigen Jahren.. Er ist ein toller Keyboard Spieler und hat eine Menge Energie", urteilt er über den englischen Songwriter, der unweit des Studios in London wohnt und bei den Aufnahmen "einfach vorbeischaute". Auf dem Vorgängeralbum "Cobblestone Runway" kam es zu einer weiteren Zusammenarbeit mit einem begnadeten Songwriter: Als letzten Titel des Albums spielte er den Song "Gold in Them Hills" ein. Seine Ehe ging zu dieser Zeit in die Brüche und im Hause eines Freundes kam ihm morgens am Piano sitzend die Melodie mit den wunderschönen Zeilen in den Sinn: I know it doesn't seem that way / But may be it's the perfect day. "Ich begann einfach zu spielen. Die Lyriks schrieben sich von selbst", so Sexsmith. Chris Martin von Coldplay traf sich mit dem Songwriter in LA und hörte sich auch diesen Titel an. "Ich war nicht glücklich über mein Piano-Spiel", so Sexsmith, der das Klavier noch nicht lange spielt. Doch Martin gefiel das Piano gut und fragte, ob er bei dem Titel mitsingen dürfe. Er willigte ein, doch noch immer ging Sexsmith davon aus, dass auch die Pianospur vom Engländer neu aufgenommen wird. Um so größer war die Überraschung, als ihn die CD in seiner Post erreichte: Sein Pianospiel unverändert, der Gesang im Duett mit dem Coldplay-Frontmann.

Sexsmith, der seine Songs größtenteils an der Gitarre schreibt, genießt es, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten. Die Songs für seine Alben jedoch kommen von ihm selbst. "Ich war immer ein Fan von Leuten wie Bob Dylan, die ihre Songs selber schreiben, das finde ich romantisch." Aber mit dem Ex-Beatle McCartney würde er doch einen Song gemeinsam aufnehmen? "Ich würde mit Paul schreiben, aber nicht für mein eigenes Werk." Wer mag ihm das bei solch wunderbar melodiöser Musik verübeln.

 

SEXSMITH & KERR - DESTINATION UNKNOWN


2005

Geneigte Musikliebhaber dürfen sich das in etwa so vorstellen: Bei den Aufnahmen zum Album "Retriever" im Jahre 2004 bleiben einige Songs von Ron Sexsmith liegen, die alle seicht und verträumt anmuten. Er übergibt die Demos seinem langjährigen Freund und Schlagzeuger Donald Ian Kerr. Dieses legt über die Stimme von Sexsmith seinen Gesang drüber, ergänzt weitere Gitarren und hinterlegt dezente Streicher. Wie von Zauberhand werden die Stücke vom Harmoniegesang analog der Everly Brothers getragen: 13 besinnliche, balladeske Nummern, die an melodiöser Wehmut kaum zu überbieten sind.

Im wunderbaren "Listen" setzt zu Beginn eine famose Mandolinie ein, ehe die Stimmen von Kerr und Sexsmith folgen. Die Folk-Nummer "Reacquainted" und das schließende "Tree-Lined Street" zählen zu den besten Stücken des Kanadiers überhaupt. Nur wer auf "Destination Unknown" ein paar schnellere Lieder vom begnadeten Songwriter erwartet, greift lieber zum Meisterwerk "Retriever". Für ruhige Stunden gibt es jedoch kaum eine bessere Platte als "Destination Unknown" - unverzichtbar.

 


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