| 28.03.2004
Zugegeben: Liverpool, das ist meine Schwachstelle. Sobald eine Band aus der englischen Metropole stammt, werde ich hellhörig. So war es auch im Falle von "The Stands", die mit ihrem Erstling "All Years Leaving" auch mit der Tatsache aufhorchen ließen, dass Noel Gallagher der gesamten Aufnahme im Studio beiwohnte und selbst bei einem Stück die Gitarre umschnallte. Im Musikgeschäft sicherlich ein Ritterschlag.
Gleich zwei mal binnen einiger Wochen hatte ich die Möglichkeit, mit Howie Payne, Leadsänger und Songschreiber der Combo zu sprechen. Im Hamburger Grünspan am 29.02.2004 traten sie als Vorband auf, am 28.03. des selben Jahres gaben die Liverpooler ein wunderbares Clubkonzert im Hamburger Molotow. In klassischer Vier-Mann-Besetzung stehen sie auf der Bühne. Man könnte meinen, die Zeit wird zurück gedreht. Gitarrist Luke Thompson trägt die Gitarre scheinbar viel zu hoch, Erinnerungen an den schüchternen George Harrison auf den Hamburger Bühnen der frühen 60ziger Jahre werden wach. Im großen Saal des Grünspans wirken sie zunächst etwas unsicher, trotzdem spielen die Engländer ihr Set mit den sehr melodiösen Folknummern souverän runter. Die ganze Kraft, die in ihrer Musik steckt wird im kleinen Club Molotow erkennbar, ein impulsives Schlagzeugsolo setzt ein, oder die Gitarren verharren so lange auf dem selben Akkord, dass es einem fast schwindelig wird.
Aber es ist nicht nur der Sound, der beeindruckt. "Die Texte sind sehr persönlich, es sind die Dinge, die in meinem Kopf vorgehen. Das ist mein Leben. Ich könnte über nichts schreiben, dass ich nicht selbst verstanden hätte. Das würde keinen Sinn ergeben für andere. Es sind meine Gedanken. Ich habe kein Tagebuch, ich schreibe Lieder", erzählt Payne. Um welches Thema es sich klassischer Weise vornehmlich handelt, wird besonders bei "Here She Comes Again" oder "I Need You" deutlich. Wie so oft bei neuen Gruppen werden rasch Vergleiche angestellt. Ob die Harmonien ein wenig an die Byrds erinnern, beantwortet Payne mit Humor und Pathos: "Ich mag die Byrds, aber ich dachte immer, sie wären eine amerikanische Gruppe, die klingen wolle, als ob sie eine Band aus Liverpool sei, die Folk-Musik spielt. Wir kommen aus Liverpool, spielen Folk-Musik und mögen das Gitarrenspiel. Wir sind also wie die Byrds – aber mehr authentisch."
Payne wurde schon früh auf den Chicago-Blues, Jazz oder Rock'n'Roll aufmerksam. Ihn imponieren Leute, "die Musik mögen und einfach spielen. Wie Bob Marley." Ehe er rasch lachend ergänzt: "Aber ich glaube nicht, das wir wie Bob Marley klingen." Fest steht: Man muss "The Stands" einfach mögen. Kommen sie doch aus Liverpool.
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