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ABGESANDTER AUS EINER ANDEREN ZEIT

26.05.2002

Vielleicht bin ich im falschen Bahnhof abgesetzt worden. Oder mich hat ein durchgeknallter Storch aufgegabelt, er hat mich im Zeitstrudel zu früh fallen lassen, ich bin unsanft auf einem Fleckchen gelandet, wo ich gar nicht hingehöre. Und so könnte es sein, dass ich zu einer falschen Zeit das Licht der Welt erblickte. Mein Blut kommt in Wallung bei Rock'n'Roll und nicht bei Hip-Hop. Liebend gern würde ich meine Abende in einem 60er-Beatclub mit meiner Traumfrau verbringen, statt in einer gestylten Diskothek abzuhängen und ein Wesen zu ersehnen, das es offenbar nicht gibt. Vielleicht hätten die Beatles damals noch einen Musiker in ihren Reihen benötigt..., aber mit den heutigen, neumodischen Musikgepflogenheiten kann ich mich selten identifizieren.

Ja, in einer anderen Zeit würden meine Stärken eventuell greifen statt, die Leute zu belästigen. Doch so werde ich in das vorgegebene Konformitätsraster gepresst, habe kaum Möglichkeiten, dem zu entkommen. Darum mache ich Musik, bin der allgegenwärtige Spaßvogel — nur so lässt sich das Sein ertragen. Als Abgesandter einer vergangen Zeit. Oder halt einer, der seinen alten Schallplatten zu lange beim Drehen zugeschaut hat...

 

Diese Glosse erschein am 26.05.2002 in der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen.

 


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