AndresLehmann.de

11.02.2010
Als Neu-Hamburger berichtet Andres von seinen Eindrücken und Erlebnissen in der Hansestadt.


Alstereisvergnügen – Aber so richtig!

Seit Wochen kennt die Hamburger Bevölkerung nur noch ein Thema: Gibt es in diesem ach so kalten Jahrtausendwinter ein Alstereisvergnügen mit Buden und Ständen auf der Eisdecke wie zuletzt im Jahre 1997 – oder nicht?
Schon jetzt pilgern an den Wochenenden Zehntausende zur Außenalster und laufen trotz behördlicher Warnungen bibbernd und vom kalten Wind geplagt über den zugefrorenen See. Ob die Eisdicke nun zehn, zwanzig oder dreißig Zentimeter beträgt scheint den unternehmungslustigen Hamburger nicht wirklich zu interessieren.
Da stört es auch wenig, dass sich aufgrund der unebenen – weil größtenteils zugeschneiten und zwischenzeitlich angetauten – Fläche noch nicht einmal vernünftig Schlittschuh laufen lässt. Und ob vom Schlitten "fahren" gesprochen werden kann, sei einmal dahin gestellt: Familienväter sind tüchtig am Schwitzen, wenn sie ihre Kinder auf den Holzgefährten mühsam hinter sich herziehen.

Mittlerweile ist die zugefrorene Außenalster so populär, dass auf Hamburger Bürgersteigen zusätzlich Eisflächen eingerichtet wurden. So wird der morgendliche Weg zur U-Bahn-Haltestelle nie langweilig. Motto: Mit Schwung ins tägliche Arbeitsleben.
Auch wenn das Schlittern auf diese Art derzeit überall in der Hansestadt schwer in Mode kommt, am schönsten ist es doch auf der Alster. Der zugefrorene See jedoch ist vom reinen Vergnügen noch die Winzigkeit einer Eiszeit entfernt: Es fehlt die Freigabe der Stadt zum Budenzauber. Heißgetränke, Mandeln und Schmalzgebäck können bislang nur am Rande der Eisfläche am Ostufer zu sich genommen werden. Und ein saftiges Steak, gegrillt über einer großen und wärmenden Feuerstelle ist inmitten der Eisfläche ein noch urigerer Genuss, auch wenn die Essensfreude dann wohl nicht von allzu langer Dauer wäre.
Wobei: Lässt sich der Gedanke des wahren Vergnügens nicht noch weiter spinnen?

 

Mit dem Schlitten bequem unterwegs auf der 164 Hektar großen Eisfläche.


Wenn schon ein Alstereisvergnügen, dann aber so richtig! Was könnte nicht alles auf der Eisfläche zelebriert werden! Der Alsterdom – "Das weltweit größte Volksfest auf dem Eis" – mit ganz neuen Fahrgeschäften wie einem Autoscooter auf der blanken Fläche, eine Wildwasserbahn im festen Aggregatszustand oder für die starken Kerle "Hau den Eisblock". Das wäre zuweilen ein besonderes Erlebnis für die umstehenden Besucher, sollte der Kraftakt auch das umliegende Eis spalten.
Oder wie wäre es mit einem großen Open-Air-Kino? Neben der Leinwand verzückt im Hintergrund das idyllische Panorama der Hamburger Altstadt. Gezeigt wird "Ice Age 2: Jetzt taut's" – und die Frage "Will noch jemand ein Eis?" darf natürlich nicht fehlen.
Auch das Vattenfall Cyclassics "Jedermannrennen" könnte in diesem Jahr vorgezogen werden: Mit dem Rad auf dem Eis unterwegs – das wäre doch ein wahres Spektakel! Und nur wer die Abkürzung kennt, kann das Rennen gewinnen und den Gegner aufs Glatteis führen.

Vielleicht aber ist dies alles zu viel des Guten und wir sollten solcherlei Überlegungen erst einmal auf Eis legen. Denn ganz im Inneren wünscht sich der Winterfreund doch nur ein paar beschauliche Buden auf der Eisdecke im Herzen Hamburgs. Endlich wieder ein Alstereisvergnügen – ach wie wäre das schön.



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